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Habitate

Ein Habitat ist die Umgebung, in der eine Art lebt. Es gibt viele verschiedene Habitate und oftmals werden sie nach den Pflanzenarten benannt, die dort leben (z.B. Dinaridische Buchen- und Fichtenwälder). Das Habitat ist die Grundvoraussetzung für die Existenz einer bestimmten Art. Die Arten sind oftmals an einen oder mehrere Habitattypen angepasst und in anderen Habitaten könnten sie nicht überleben. Aus diesem Grund ist es nützlich, wenn wir nach einer Art suchen zu wissen, welche Habitate ihr zusagen. Genauso wissen wir, wenn wir die Informationen darüber haben, welche Habitate in einem bestimmten Gebiet existieren, welche Arten wir dort erwarten können. Eine größere Vielfalt der Habitate bedeutet zugleich auch eine größere Anzahl von Arten, also eine größere biologische Vielfalt und Gesundheit des Ökosystems. Wenn wir eine Art schützen wollen, müssen wir vor allem ihr Habitat schützen, denn kein Lebewesen kann überleben, wenn es nicht über den ihm entsprechenden Lebensraum verfügt.

Das Gebiet des Velebit-Massivs ist ein Mosaik bestehend aus verschiedenen Habitaten – Wäldern, Wiesen, Felsen, Geröllhalden und seltenen Wasserhabitaten. Kein Teil dieses Mosaiks ist vollkommen unabhängig von den anderen Bestandteilen, da viele Arten mehrere Arten von Habitaten nutzen. Zudem sind die Habitate nicht durch eine klare Linie voneinander getrennt, sondern gehen in den Übergangsbereichen ineinander über, und in diesen Gebieten sind für gewöhnlich die meisten unterschiedlichen Lebensformen anzutreffen. Wir haben den Eindruck, als ob diese Landschaft schon immer so aussah, aber die Realität ist ganz anders. Das jetzige Aussehen des Velebit-Massivs ist die Folge einer langen Entwicklung und verschiedener Einflüsse, aber es ist auch jetzt nicht statistisch, sondern ändert sich und wird sich auch in Zukunft in Abhängigkeit von einer Reihe von Faktoren ändern, die oftmals nur schwer oder auch gar nicht vorhergesehen werden können.

 
 

Im Nationalpark Nördlicher Velebit gibt es fünf grundlegende Habitattypen:

Wälder

Die Waldhabitate nehmen die weitaus größte Fläche des Parks (mehr als 80% der Fläche) ein. Das grundlegende Merkmal der Waldhabitate im Gebirge ist die Zonierung – die Einteilung in Zonen, die sich entsprechend der Höhe über dem Meeresspiegel abwechseln. Da das Klima mit steigender Höhe rauher wird, spiegelt sich das auch auf die Pflanzendecke oder Vegetation wider.

Küstenseite

Wenn Sie vom Meer kommen und die Hänge in Richtung der Gipfel des nördlichen Velebit erklimmen, werden sie zuerst durch einen Flaumeichen- und Hainbuchenwald kommen. Mit steigender Höhe wird die orientalische Hainbuch durch Hopfenbuchen ersetzt und Sie werden sich in einem Flaumeichen- und Hopfenbuchenwald wiederfinden. Diese Wälder auf der Küstenseite sind oftmals in Form eines Gestrüpps entwickelt, und für den Erhalt des Bodens, der auf der Küstenseite dem starken Bora-Wind ausgesetzt ist, von außerordentlicher Bedeutung.
Wenn Sie weiter nach oben klettern, kommen Sie in einen litoralen Buchenwald mit Herbst-Blaugras, der die Grenze zwischen der litoralen und der kontinentalen Vegetation darstellt. Wenn Sie näher zum Gipfel kommen, werden Sie bemerken können, dass die Buchenstämme im unteren Teil wie eine Pfeife gebogen sind – verursacht durch den Druck des Schnees auf die jungen Stämme - und Sie befinden sich im submontanen Buchen- und Bergahornwald. Jetzt sind Sie bereits im richtigen montanen Habitat, in dem die Einwirkungen des Bergklimas deutlich zu sehen sind. Auf der zur Küste gehenden Seite können Sie noch auf Schwarzkiefernwälder mit filziger Zwergmispel stoßen, bei denen es sich um Relikte – Überreste aus uralten Zeiten handelt, die noch vereinzelt anzutreffen sind.

 
 

Wälder in den höchsten Lagen

In den höchsten Lagen werden Sie sich zwischen Rotbuchen und Krummkiefern wiederfinden, die mit ihren verbogenen und knorrigen Ästen fast am Boden liegen. In diesen Höhen können die Bäume nur schwer überleben, und wegen der Kälte und der kurzen Vegetationszeit können sie sich nicht zu vollständigen Bäumen entwickeln. Stattdessen wachsen sie verkrümmt in Form von Gestrüpp. Die Krummholzkiefern sind eine besonders langlebige und gegen die extremen Klimabedingungen beständige montane Kiefernart. Diese buschförmige Kiefer nimmt meistens nicht die Form eines Baumes an, sondern verzweigt sich unweit vom Boden, ohne einen Stamm zu entwickeln. Die Zweige liegen eng am Boden und sind nach oben gebogen. Gerade diese niedrige, kissenartige Form schützt sie durch die als Dämmung wirkende Luftschicht vor Wind und Kälte. Außerdem können sie auf sehr unterschiedlichen Bodentypen wachsen.

 
 

Nach innen gelegene Hänge

Wenn Sie von den Hängen des nördlichen Velebits ins Innere absteigen, d.h. zu den Höhenplateaus von Lika, werden Sie in den hohen Lagen wieder durch submontane Buchenwälder kommen. In den ungünstigsten Habitaten wie beispielsweise den felsigen Steilhängen, Dolinen und Bergtälern werden sie auf Kiefern stoßen. Im nördlichen Velebit wachsen einige submontane Kiefernarten: an den steilen, felsigen Hängen wie z.B. in den Karstfelsen wachsen submontane Fichtenwälder mit Alpen-Waldreben. Die steileren und felsigeren Dolinen und geschlossenen Täler sind von submontanen Kiefernwäldern, in denen das Große Zweiblatt wächst, eingenommen und in den feuchteren Tälern mit mehr Humus wachsen montane Kiefernwälder mit dem Grünen Alpendost. An den wärmeren und sonnigeren Felshängen kann man auf den Kalkblöcken auch auf dinaride Tannenwälder stoßen, die im Nördlichen Velebit ziemlich selten sind.
Wenn man weiter hinunter steigt, kommt man in den Bereich der dinariden Buchen - und Kiefernwälder. Diese Wälder sind viel artenreicher als die mitteleuropäischen Buchen- und Kiefernwälder. In dieser Höhenlage werden Sie in den großen Tälern, in denen sich die kalte Luft sammelt, wieder auf Kiefern stoßen, dieses Mal in Form von montanen Kiefernwäldern mit dem Nelkenwurz-Odermennig. Zu diesem Waldtyp gehört auch der Kiefernwald in Štirovača, der größte Kiefernwald Kroatiens, der teilweise auch in den Grenzen des Parks liegt. Der Abstieg von den Hängen des Velebit-Gebirges endet im Buchenwald mit der Riesen-Taubnessel, der die niedrigste Lage an den Hängen des Velebit-Gebriges in Richtung Lika einnimmt und reich an illyrischen Pflanzenarten ist, die ausschließlich im Gebiet des West-Balkans und des ostadriatischen Küstenstreifens wachsen.

 
 

Die Zusammensetzung und die Anordnung der Baumarten im nördlichen Velebit ähnelt denen, auf die Sie im ursprünglichen Urwald stoßen würden – in einem Wald, in denen es nie eine Waldrodung oder andere größere Eingriffe des Menschen gab. Außerdem gibt es dort eine bestimmte Anzahl von alten und toten Bäumen. Bei diesen "Waldtoten" handelt es sich nicht nur um abgestorbene Bäume, da sie sehr bald zum Heim vollkommen neuer, lebendiger Gemeinschaften – unzähliger Arten von Insekten, Pilzen und Bakterien - werden. Sie ernähren sich vom alten Stamm und verwandeln ihn in Nährboden. Im Park leben sogar fünf von neun europäischen Spechtarten, die von toten und alten Baumstämmen abhängig sind, da sie sich von den Insektenlarven ernähren, die unter der Baumrinde leben und ihre Nester in faulen Bäumen bauen. Sie verhindern, dass sich die Insekten allzu sehr vermehren, die sich von den Bäumen ernähren und ihnen somit auch schaden. In den alten Spechtennestern nisten zahlreiche andere Vogelarten, die deswegen von den Spechten und somit auch von den alten Baumstämmen abhängig sind. Unter den Nutznießern der Vertiefungen sind auch sechs Eulenarten, aber auch einige Waldfledermausarten, die sich dort tagsüber verstecken, und in ihnen ihre Jungen erziehen. Das sind beispielsweise die Mopsfledermaus und der Kleine Abendsegler, die in den Wäldern auch jagen.

 
 
 

Wiesen

Obwohl Wiesenlandschaften oftmals mit Gebirgen verbunden werden, sind die klimatischen Bedingungen im Velebit-Gebirge, wie übrigens auch in den anderen kroatischen Gebirgen nicht für die Entstehung natürlicher Wiesen geeignet. Wiesen entstehen nämlich in hohen Gebirgen in den Bereichen oberhalb „des oberen Waldgürtels“, der in den Alpen bei 2100 m über dem Meeresspiegel liegt. Aus diesem Grund sind alle kroatischen Gebirge zu niedrig, als dass dort bedingt durch den Einfluss des Klimas in der höchsten Zone Wiesen entstehen könnten. Natürliche Wiesen, die auch Rudine genannt werden, können ausnahmsweise wegen des Einflusses spezifischer lokaler Gegebenheiten wie z.B. des Bora-Windes auch in niedrigeren Höhenlagen entstehen, was auch im Nationalpark Nördlicher Velebit der Fall ist.
Die meisten Wiesen des Velebit-Gebirges wurden aber durch Menschenhand geschaffen, die diesen Raum als Weide für ihr Vieh und zum Anbau von Nahrung benötigten. Das Vieh verhinderte das Nachwachsen von Bäumen, und die Bäume, denen es dennoch gelang zu wachsen, wurden von den Menschen beseitigt und dadurch wurde verhindert, dass der Wald die Wiesen erneut vereinnahmte.

 
 

Im Gegensatz zu den meisten modernen Eingriffen des Menschen in den Raum hat die Schaffung der Wiesen die Natur mit ganz neuen Habitaten bereichert, zu denen auch ganz neue Wiesenarten hinzu kommen. Viele Pflanzenarten, die auf die sehr kleine natürliche Wiesenflächen beschränkt waren, haben auf diese Weise einen viel größeren Lebensraum erhalten. Einige von ihnen sind in weiter Vergangenheit mit den Herden aus anderen, vor allem ostmediterranen Gebieten gekommen, und für einige wurden gerade diese Weisen zum Mittelpunkt ihrer Evolution. Außer der Tatsache, dass sie die Gesamtartenzahl vergrößern, sind die Wiesen auch Futterstellen für die dort lebenden Tiere. So jagen beispielsweise viele Raubvögel gerade auf diesen Wiesen. Aus all den genannten Gründen hat sich auch die biologische Vielfalt dieses gesamten Raums erhöht, was das Öko-System stabiler macht. Die Wiesen zeugen zugleich auch von der Vergangenheit des gesamten Gebietes, dem Leben der hiesigen Menschen, davon, wie sich die Menschen ernährten und wo sie sich hin bewegten und stellen einen unermesslich wichtigen Teil des Natur- und des Kulturerbes dar.
Heute sind wir Zeugen leerer Weisen, brach liegender Gärten und zerstörter Hirtenhütten. Die Viehzucht ist gänzlich aus dem nördlichen Velebit verschwunden, die Menschen leben nicht mehr im und vom Gebirge, so dass auch die Wiesen langsam verschwinden. Sie werden vom Gestrüpp und den Wäldern erobert, werden langsam kleiner und schließen sich, das Gesamtbild der Landschaft ändert sich und viele Arten bleiben ohne ihren Lebensraum.

 
 

Obwohl die Wiesen durch Menschenhand entstanden, unterscheiden sie sich voneinander. Im Grunde unterscheiden sich die Wiesentypen abhängend von der Waldvegetation in den einzelnen Höhenlagen.

Litoralhänge

Im niedrigsten Gürtelbereich, d.h. im Bereich der Hopfenbuchen, haben sich steinige Wiesen mit Erd-Seggen und gelben Centaurea rupestri entwickelt, die reich an submediterranen Arten sind – Arten, die vorwiegend im mediterranen Gebiet leben, aber auch in den wärmeren Gebieten des südlichen Teil des Kontinentes angetroffen werden können. An geschützten Standorten, die oftmals von Wäldern umgeben sind, befinden sich in diesem Gürtelstreifen auch relativ kleine Wiesenflächen, auf denen die Aufrechte Trespe wächst. Sie entwickeln sich auf tieferen Böden, die niemals steinig und wahrscheinlich unterschiedlichen Ursprungs sind. Sie wurden wahrscheinlich größtenteils als Weideland benutzt, und da sie sich auf ebenem Gelände ohne herausragende Steine befinden, besteht auch die Möglichkeit, dass sie als Heuwiesen dienten. Ein kleiner Teil dieser Wiesen konnte auch durch Überwucherung der Flächen entstanden sein, die einst von den Menschen bestellt wurden.
Mit steigender Höhe gibt es immer weniger submediterrane Arten, die von montanen Arten ersetzt werden und die eine neue Gemeinschaft der Steinweiden bilden, auf denen Winterbohnenkraut und Erd-Seggen wachsen. Diese Gemeinschaft befindet sich innerhalb des Gürtelstreifens der Buchenwälder und teilweise auch der Krummkiefernwälder.
In den hohen Lagen, in denen die litoralen Hänge der Bora ausgesetzt sind, befinden sich Wiesen, die das zu Hause der Erd-Seggen und des Blaugrases sind, und die einst als Weideland und seltener als Heuwiesen benutzt wurden. Sie sind der am meisten verbreitete Typ der hoch gelegenen Wiesen an den litoralen Hängen des Velebit-Gebirges und maßgebend für ihre Entstehung ist der starke Bora-Wind.

 
 

Höchste Berglage

In der höchsten Berglage haben sich in den geschützten Lagen, die vor allem vor dem starken Bora-Wind geschützt sind und in denen sich tiefere Böden befinden, Wiesen mit Bosnischer Schwingel entwickelt.  Die dominante Bosnische Schwingel ist ein Endemit des dinariden Karstes. Auf tieferen, feuchteren Böden treten auch mosaikförmig Gold-Schwingel-Wiesen in Erscheinung. Sie heben sich klar hervor, da sie aus dichten Gold Schwingeln bestehen, die oftmals sogar höher als 1,5 m sind. Diese Wiesen sind einer der seltensten Bergwiesentypen in Kroatien und bisher nur im Bereich von Šegotski und Bilenski padež sowie Tudorevo, d.h. im Nationalpark Nördlicher Velebit bekannt.
Auf den sehr flachen Karstböden oder auf Moränen sind wiederum Wiesen mit aufrecht stehendem Ginster anzutreffen, als Wiesentyp der höchsten Berglagen, dem die Wärme am meisten zusagt.
Auf dem Boden der ebenen und geschützten Täler, in denen sich eine dickere Bodenschicht angesammelt hat, die den Kalkboden geschützt und die Ausspülung der Basis und das Entstehen einer sauren, an Nährstoffen armen Grundlage ermöglicht hat, haben sich Hirschhaarwiesen entwickelt. Sie sind der einzige Wiesentyp im Park, der auf sauren Böden wächst. Durch die dichten Hirschhaaransammlungen, das in der Regel die vorherrschende Grasart ist, sind sie leicht zu erkennen. Auf diesen Wiesen wachsen in der Regel keine anderen für dieses Gebiet charakteristischen Arten und ihre floristische Zusammensetzung spiegelt vor allem die extremen ökologischen Bedingungen wieder, in denen sie sich entwickeln.
Wenn der Boden in den Vertiefungen trichterförmig ist, so dass sich dort Wasser ansammelt, vor allem Schneeschmelze, dann können sich dort auch Rasenschmielewiesen entwickeln, die in der Regel kleine Flächen einnehmen und artenarm sind.

 
 

Die einst bestellten Flächen, auf denen vorwiegend Kartoffeln und Kohl angebaut wurden, liegen heute brach und sind mit der Zeit zu Wiesen geworden. Im ersten Augenblick kann es so scheinen, als ob es sich um kleine Exklaven von Tiefebenewiesen handeln würde, da in ihrer Zusammensetzung Arten dominieren, die für wärmere Gebiete und nährstoffreichen Boden typisch sind. Wenn die Gräser ausgesprochen dominant sind, sehen solche Orte wie hohes grünes Gras aus. Interessant ist, dass hier keine einzige fremde (invasive) Art gefunden wurde, die ansonsten regelmäßig auf brachliegenden landwirtschaftlichen Flächen in niedriger liegenden Bereichen anzutreffen und dort oftmals auch dominant sind.

 
 

Felsböden

Auf den ersten Blick erscheinen Felsböden nackt und trostlos, weit entfernt von einem günstigen Lebensraum für Lebewesen. Pflanzen benötigen für ihr Wachstum Boden und Wasser, und Tiere Nahrung und Verstecke. Und der Stein bietet nichts von all dem! Trotzdem gibt es dort Leben. Selbst der auf den ersten Blick nackte Stein ist oftmals mit trockenen und festen Flechten bedeckt. Wenn Sie gut hinschauen, werden Sie auf der Oberfläche des Steins graue, grünliche, gelbe, orange- oder rosafarbene Flecken entdecken. Das sind Flechten, eine der ausdauerndsten Lebensformen auf der Welt. Bei Flechten handelt es sich nicht um einen uniformen Organismus, sondern um eine enge Lebensgemeinschaft zweier oder mehrerer Organismen, von denen einer ein Pilz ist, und die anderen sind Algen oder Cyanobakterien. Die Algen produzieren durch Photosynthese Nährstoffe, während der Pilz den Körper der Flechte aufbaut, der die Alge schützt. Die Flechte nimmt die Feuchtigkeit und andere Nährstoffe wie z.B. Stickstoff aus der Luft auf, und um zu überleben reichen ihr Luft, Sonne und Regen. Außerdem kann sie lange Zeiträume in trockenem Zustand und ruhend überdauern. Flechten wachsen und betreiben Photosynthese nur, wenn sie feucht sind, so dass sie sehr langsam wachsen. Aus all diesen Gründen können sie sehr gut an ungünstigen Standorten wie z.B. auf Felsböden oder in der Tundra überleben. Da sie gute Luft zum Leben benötigen, sind viele Flechtenarten ein Indikator für die Luftqualität – d.h. sie sind ein Bioindikator. Die Flechten des Nationalparks Nördlicher Velebit sind noch nicht systematisch erforscht.

 
 

Auf den Steinen gibt es aber auch besser Orte zum Leben als die nackten Steinoberflächen. Der Karst ist besonders reich an Felsspalten, in denen sich Erde und Wasser ansammeln. Die Felsspalten sind zudem auch zumindest teilweise geschützt vor Sonne und Wind, so dass in ihnen viele Pflanzenarten wachsen. Ab und zu findet sich auch eine Felsspalte, die groß genug ist, dass sich ein Baum in ihr verwurzeln kann. Die Pflanzen, die in solchen Bedingungen wachsen, sind ausgesprochen widerstandsfähig und an ihre Umgebung angepasst, weil solche Pflanzen in Gebirgsgebieten neben dem Mangel an Boden und Wasser auch andere zahlreiche ungünstige klimatische Umstände aushalten müssen. Da die Atmosphäre in höheren Lagen nicht so dicht ist, ist die Sonne im Sommer sehr stark, und nachts sinken die Temperaturen, selbst im Sommer können sie bei schlechtem Wetter sogar unter Null Grad sinken. Hinzu kommt auch noch der starke Wind, der kühlt und trocknet, und da der Winter in den hohen Lagen fast sechs Monate dauert, haben die Pflanzen weniger Zeit, um zu wachsen und sich zu vermehren.

Aus diesem Grund haben die in Steinen wachsenden Pflanzen besondere Anpassungsmerkmale, die ihnen helfen, dem ungünstigen Klima stand zu halten. Ihre Oberfläche ist oftmals mit Härchen bewachsen, wodurch sich eine Luftschicht an der Oberfläche der Pflanze aufhält, die als Wärmedämmung fungiert und das Austrockenen verhindert. Die kissenförmige, dichte Form trägt ebenfalls zur Wärmedämmung bei. Viele Pflanzen wachsen direkt am Boden, da die Luft direkt am Boden oftmals viel wärmer als die übrige Luft ist. Vor den negativen Auswirkungen der Sonne werden die Pflanzen durch ihre Farbe, aber auch die dichten Härchen geschützt. Einige Pflanzen haben feste, dicke Blätter, die gegen Austrocknen beständig sind. Um den Wachstum des Samens zu beschleunigen, haben viele Pflanzen Blüten, die in der Lage sind, sich auf eine höhere Temperatur als der Rest der Pflanze aufzuwärmen. Ein gutes Beispiel dafür sind die glockenförmigen Blüten. Die warme Luft, die dünner als die kalte ist, steigt nach oben, und nachdem sie in die glockenförmige Blüte eingeströmt ist, kann sie nicht mehr raus. Ein Beispiel ist die Bärentraube, deren Blüten eine sehr enge Öffnung haben. Einen ganz anderen Aufwärmmechanismus haben die kopfförmigen Blüten der Eberwurz - ihre helle Blätter leiten die Sonnenstrahlen in das Innere der Blüte, deren schwarze Farbe die Wärme aufnimmt.

 
 

Zwischen den Steinen leben auch viele Tierarten, die sich auf ein Leben an solchen Standorten spezialisiert haben. Meistens sind das kleine Tiere wie beispielsweise Schnecken, Spinnen, Insekten, Reptilien oder Nagetiere, aber hier leben auch größere Tiere z.B. Gämse. Auch Tiere aus den umliegenden Habitaten schauen hier öfters mal vorbei, um sich von den Bewohnern der Felslandschaft zu ernähren. Viele Vögel suchen und finden in den Felsen einen sicheren Zufluchtsort zum Nisten, und ernähren sich von den reichen umliegenden Wiesen.

 
 

Ein spezieller Habitat auf felsigen Boden Grund sind die Taluse oder Geröllhalden – lockere und lose Steine, die von größeren Felsen abrutschen. Geröllhalden entstehen meistens an steilen Hängen und an deren Fuße, an Stellen, an denen das Relief durch seine Form Steinbrocken kanalisiert. Die Steine, die eine Geröllhalde bilden, können unterschiedlicher Größe sein – von Steinen mit einem Durchmesser von einem Meter über Steine, die so groß wie ein Ball oder eine Faust sind, bis hin zu ganz kleinen Steinen, die so groß wie Kies sind. Unter der lockeren Steinschicht ist der Boden feucht, so dass auf Geröllhalden ganz spezielle Pflanzen wachsen, und ihr wichtigstes Anpassungsmerkmal sind ausgesprochen lange und gefächerte Wurzeln, die tief unter die Steinschicht reichen müssen. Geröllhalden sind das Habitat des bekanntesten kroatischen Endemits, der Degenia velebitica, die im mittleren und südlichen (aber nicht im nördlichen!) Velebit wächst.

 
 

Da Geröllhalden ein Habitat sind, das besondere Anpassungen erfordert, und zugleich auch von anderen ähnlichen Habitaten getrennt ist, entwickeln sich hier oftmals endemische Arten und Unterarten. Gerade in den Felsen Hajdučki und Rožanski kukovi wachsen die meisten endemischen Pflanzen des Parks, und auf dem felsigen Boden leben auch einige endemische Tiere, wie z.B. die Kroatische Gebirgseidechse, die Martino-Schneemaus und die in tiefen Karstschloten lebenden Velebiter Blutegel.

 
 

Unterirdische Habitate

In den unterirdischen Bereichen herrschen vollkommen andere Bedingungen als an der Oberfläche. Die Temperatur beträgt nur einige Grade über Null, der Feuchteanteil ist groß und es ist vollständig dunkel. Alle diese Bedingungen sind sehr konstant, was das grundlegende Merkmal der unterirdischen Habitate ist. In dem Teil der unterirdischen Habitate, die in der Nähe zum Eingang liegen, ist ein Übergangsbereich, in dem der Einfluss der Bedingungen an der Oberfläche zu spüren ist, so dass die Schwankungen in diesem Bereich größer sind als im Inneren.

 
 

Für Pflanzen und andere Organismen, die ihre Energie direkt von der Sonne bekommen, sind die unterirdischen Habitate kein guter Raum zum Leben. Nur in unmittelbarer Nähe zum Eingang, wo noch etwas Licht vordringt, können Pflanzen, Moos und Algen angetroffen werden, die nur wenig Licht brauchen. Das es im unterirdischen Bereich keine Pflanzen gibt, stammt die gesamte Nahrung, die in den unterirdischen Bereich kommt, von der Oberfläche.
Tiere nutzen die unterirdischen Räume mit unterschiedlicher Intensität. Einige benutzen sie als Zufluchtsort vor Raubtieren und der Witterung, wie z.B. einige Fledermäuse, die unter der Erde schlafen und dort ihren Winterschlaf verbringen. Auch andere Tiere leben gerne im unterirdischen Bereich, aber sie sind auch an anderen dunklen und feuchten Orten anzutreffen.

 
 

Aber die echten unterirdischen Tiere leben immer und ausschließlich in Höhlen und Karstschloten und können auf den ersten Blick als solche erkannt werden, da sie meistens keine Augen und Körperpigmente haben oder diese extrem schwach ausgeprägt sind. Der Grund dafür liegt einerseits in der Tatsache, dass die Pigmente und Sehorgane im Dunkeln nicht erforderlich sind. Andererseits ist die Nahrung so spärlich, so dass es für die unterirdischen Tiere sehr wichtig ist, die Nahrung und Energie nicht für die Produktion von überflüssigen Molekülen und Organen aufzuwenden. Diese Tieren haben oftmals auch einen sehr langsamen Stoffwechsel, was ihnen das Überleben mit minimaler Nahrung und trotz langfristigem Hungern ermöglicht. Die Folge eines langsamen Stoffwechsels ist ein langes Leben und eine langsame Vermehrung. Die unterirdischen Tiere finden sich Dank ihres ausgesprochen ausgeprägten Geruchs- und Spürsinns im Dunklen sehr gut zurecht. Diese Sinnesorgane sind meistens in Form von ausgesprochen langen Fühlern und Beinen mit zusätzlichen Tasthärchen gut zu erkennen.

 
 

Im Gebiet des Parks handelt es sich bei fast allen unterirdischen Objekten, die bisher entdeckt wurden, um vertikale Karstschlote. Sie sind für Fledermäuse nicht so geeignet wie die Höhlen an der Oberfläche, so dass es dort keine bekannten Jungfledermaus-Kolonien gibt. In den Karstschloten wurden jedoch Fledermäuse beim Winterschlaf angetroffen, aber es gibt dort keine großen Winterruheorte. Einige von den erfassten Arten sind das Kleine-Mausohr, die Zweifarbfledermaus, das Braune Langohr und die Nordfledermaus.

 
 

Bei den meisten der wahren unterirdischen Tiere handelt es sich um wirbellose Tiere. Das sind verschiedene, der breiten Öffentlichkeit voriegend unbekannte Gruppen wie z.B. Käfer, Hundertfüßer, Springschwänze, Spinnen, Pseudoskorpione, Asseln, Vielborster und andere. Sie leben an verschiedenen unterirdischen Habitaten: auf dem Festland, in einer dünnen Schicht Wasser, das die ganze Zeit die Höhlenwände herunterfließt und nie austrocknet, im Wasser, und ein besonderes unterirdisches Habitat ist der Guano, das Exkrement der Fledermäuse.
Wegen der Besonderheiten und der Isolation der Habitate sind die meisten (etwa 70%) der unterirdischen Arten endemisch. Dazu gehört auch eines der Symbole des Nördlichen Velebits, der Velebiter Blutegel, der bisher nur in den vier tiefsten Karstschloten des Parks gefunden wurde. Die unterirdische Fauna des Parks wird intensiv erforscht und es werden ständig neue Arten und Gattungen entdeckt.

 
 

Wasserhabitate

Im Park gibt es auch sehr seltene Wasserhabitate, die für die Wasserorganismen von ausschlaggebender Bedeutung sind. Das wichtigste und interessanteste Wasserhabitat des Parks ist das Netzwerk bestehend aus kleinen Bächen und Flüssen in Štirovača, dem einzigen Teil des Parks mit einer wasserundurchlässigen Grundlage, der einzigen Trinkwasserquelle und dem einzigen fließenden Gewässer im Gebiet des Parks. Es gibt einige Teiche (Borove vodice, Žive vodice, Lubenovačka ruja..), die von den Menschen angelegt wurden oder die aus natürlichen Feuchtgebieten in Teiche umgewandelt wurden. Sie haben den Tieren aus der Umgebung den Zugang zum Wasser, dem sehr seltenen natürlichen Schatz des Nördlichen Velebits wesentlich erleichtert. Was die Bewohner der Gewässer im Gebiet des Parks betrifft, so gibt es nur einige Wasseralgen, -pflanzen und Kleintiere, die an den Körpern der Vögel und anderer Tiere, die die Gewässer besuchen, zu anderen Gewässern wandern. Die meisten von ihnen verbringen nur einen Teil ihres Lebenszyklus im Wasser und den größten Teil des Lebens bewegen sie sich über Boden und durch die Luft, wie beispielsweise Frösche und ähnliche Tiere, was ihnen ermöglicht, diese isolierten Habitate, diese „Wasserinseln“ im „Meer“ des sehr trockenen Festlandhabitats zu besiedeln. Fische sind keine natürlichen Bewohner dieser kleinen, isolierten Wasser-Ökosysteme und wenn sie vom Menschen eingebracht werden, bringen sie diese sensiblen Habitate aus dem Gleichgewicht und können sie auch vollständig zerstören.

 
 
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