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Das Tal der Gacka

Das Tal der Gacka ist ein großes Karstfeld, das zum Meer hin an das Velebit-Gebirge und zum Hinterland an den Berg Kapela grenzt, von welchem es umschlossen ist. Dominiert wird das Tal vom Fluss Gacka, der auf der einen Seite des Tales entspringt und auf der gegenüberliegenden im Erdboden versickert. Der Länge nach ist die Gacka der dritt größte Schlundfluss der Welt. Der ursprüngliche Flusslauf der Gacka war 32 km lang, doch seit dem Bau des Wasserkraftwerkes Senj in den 60-er Jahren ist er nur noch 11 km lang, da im Gebiet der Stadt Otočac der größte Teil des Wassers für das Kraftwerk durch Tunnels in den Speichersee Gusić geleitet wird. Da die Meereshöhe nur langsam abnimmt, ist der Flußlauf der Gacka ruhig und kurvenreich. Das Wasser ist ausgesprochen klar und sauerstoffreich.

Otočac ist die größte Stadt des Gacka Gebietes. Erbaut wurde sie an der Stelle, wo sich die Gacka verzweigt und die Flussarme eine „Insel“ bilden. Heute zählt die Stadt Otočac ca. 4.000 Einwohner und im Jahr 2009 wurde die Stadt zur am schönsten eingerichteten Stadt der Gespanschaft Ličko-Senjska erklärt.

Die Quelle der Gacka besteht eigentlich aus vielen kleineren Quellen, von denen Tonković vrilo, Klanac und Majerovo vrilo die größten sind. Die Quellen haben die Form von Seen und sind sehr malerisch. Hier befinden sich zahlreiche alte Wassermühlen - malenice, von denen einige wieder aufgebaut und im traditionellen Stil neu eingerichtet wurden. Außer den Wassermühlen sind hier auch Wassersägewerke, Töpfe und Körbe zum Waschen der gewalkten Textilien zu finden. Der Fluss wurde von den Einheimischen mit Booten – den sog „plav“ – befahren, die spezifisch für das Gebiet der Gacka sind und bei denen es sich eigentlich um ausgehöhlte Kiefernstämme handelt. Im Fluß wachsen zahlreiche Wasserpflanzen in einem solchen Ausmaß, dass die Einheimischen sie ernten, um damit ihr Vieh zu füttern. Bis zum Jahr 1937 lebten in dem Fluß nur vier Fischarten: Bachforellen, Aale, Schlammpeitzger und Hechte, die wahrscheinlich zur Zeit der Adelsfamilie Frankopan in den Fluss eingebracht wurden. Einst lebte dort auch der Dohlenkrebs, doch er verschwand im Jahr 1931 infolge der Krebspest. Später wurde die Gacka mit zahlreichen anderen Fischarten besetzt. Manche kamen auch alleine durch den Kanal des Wasserkraftwerks, der die Flüsse Gacka und Lika miteinander verbindet, so dass heutzutage auch Kalifornische Forellen, Äschen, Karpfen, Schleien, Plötze, Döbel und Gemeine Sonnenbarsche hier vorkommen. Durch den Besatz mit diesen Fischarten wurde das biologische Gleichgewicht gestört und die Wasserreinheit verringert. Die Bachforellen in der Gacka wachsen besonders schnell (ca. fünf Mal schneller als in anderen Karstflüssen) und sind aus diesem Grund unter den Anglern weltweit bekannt.

Der Fluss Gacka versickerte einst in drei Bereichen: Švice, Gusić polje und Hrvatsko polje. Auf dem Gebiet von Otočac verzweigte sich der Flußlauf einst in zwei Flussarme, von denen der südliche in Švica zwei Seen bildete, die durch einen 50 m hohen Wasserfall miteinander verbunden waren. Dieses Gebiet nannte man die „Kleinen Plitwitzer-Seen“. Auch hier gab es viele Wassermühlen und mit Wasserkraft angetriebene Sägewerke, in denen die Baumstämme gesägt wurden, die man über den Fluss her transportierte. Es gab auch Walkertöpfe und Körbe und sogar ein kleines Wasserkraftwerk, das im Jahr 1936 erbaut wurde, um den Energiebedarf der Stadt Otočac und ihrer Umgebung abzudecken.

Das Gebiet, in dem der Fluss in den Untergrund versickert, ist heute durch einen geringen Wasserdurchsatz und das Zusammenbrechen der Kalkbarrieren entlang des Flusses, auf Grund des Wassermangels gefährdet, so dass es auf den Seiten des Kroatischen Speläologieverbandes unter den 10 meist gefährdetsten Karstgebiete in Kroatien angeführt ist. Wie auch in anderen Karsttälern, so wachsen auch hier viele seltene und unter Naturschutz stehende Pflanzenarten, wie z.B. breitblättrige Fingerwurz, Braun-Segge und Zungen-Hahnenfuß, die sich auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzenarten Kroatiens befinden. Diese Karsttäler sind ein sehr wichtiger Lebensraum für viele Vogelarten, so dass das Tal der Gacka zusammen mit anderen Karsttälern als Vogelschutzgebiet im Rahmen des Europäischen Ökologischen Netzes NATURA 2000 vorgeschlagen wurde. Im Tal der Gacka und seiner Umgebung befinden sich noch weitere zwölf Gebiete, die für NATURA 2000 vorgeschlagen wurden, da sie wichtige Standorte und Lebensräume für verschiedene Tiere darstellen. Darunter befindet sich das Tal der Gacka selbst, der Fluss Gacka, Cret in Čovići, die Quelle Majerovo vrilo, die Höhle Pećina sowie einige andere Höhlen.

Die Quellen des Flusses Gacka wurden zum Naturdenkmal erklärt und das Tal der Gacka sowie das Tal Dabarsko polje zu Landschaften von besonderer Bedeutung.

In Otočac wurde im Jahr 2006 das Kroatische Zentrum für autochthone Fisch- und Krebsarten der Karstgewässer gegründet. Das Zentrum befasst sich mit der Zucht von Forellen und Flusskreben zum späteren Besatz des Flusses Gacka und kommerziellen Gebrauch. Es betreibt wissenschaftliche Forschung über das Gebiet der Gacka und seiner Bewohner. Hauptsächlich befasst es sich mit Forellen, aber es befasst sich auch mit der Entwicklung von Warenmarken und dem Tourismus.

Geschichte

Die ältesten Nachweise für das Leben von Menschen im Gacka-Tal stammen aus der Zeit des Mesolithikums (Mittelsteinzeit), während die Funde in der Höhle Bezdanjači bei Vrhovina, wo sich eine der größten Höhlennekropolen Europas befindet, aus der Zeit der Illyrer stammen. Aus der späten Bronzezeit stammen die gefundenen Überreste einiger Dörfer des illyrischen Stammes der Japoden. Von der späteren römischen Besetzung zeugen die Überreste der zentralen Siedlung Arupium und einige Tempel des Sonnengottes Mithras, den die Römer von den Persern übernommen haben und dessen Kult von den römischen Soldaten verbreitet wurde. Im Mittelalter spielte Gacka im ersten kroatischen Staat eine wichtige Rolle und die Stadt Otočac wird sogar auf der Tafel von Baška (Bašćanska ploča) erwähnt. Während ihrer Herrschaft hat die Fürstenfamilie Frankopan mehrere Festungen erbaut. Die zentralen Gebiete waren die Städte Otočac und Brinje. Während des Vordringens der Türken befand sich Gacka direkt im Grenzgebiet, so dass zu Verteidigungszwecken Festungen und Türme wie z.B. Kalin grad errichtet wurden. Viele Siedlungen wurden auch verlassen. Nachdem sich die Türken aus diesem Gebiet zurückgezogen hatten, wurde es wieder neu besiedelt. Auch während des Krieges in Kroatien wurde dieses Gebiet stark in Mitleidenschaft gezogen und zerstört. Eine Hinterlassenschaft des Kriegs sind die immer noch verminten Gebiete.

Das traditionelle Leben der Einwohner war eng mit dem Fluss verbunden. Die Menschen waren bescheiden und fleißig. Die kleinen Steinhäuser waren mit Holzschindeln bedeckt, die traditionelle Kleidung war einfach, dunkelfarbig und mit diskreten Mustern verziert. Das wichtigste Material für die Kleidung war gewebte Wolle, die von den dort lebenden Schafen stammte. Ein Teil der Kleidung war auch die wiedererkennbare rotfarbene Mütze, von der man annimmt, dass sie nach dem Vorbild der metallenen Kopfbedeckung der Frauen des Japoden-Stammes entstanden ist. Aus Wolle wurde auch der biljac gemacht – eine zottelige Wolldecke. Die Nahrung der Einwohner des Gacka-Gebietes ist einfach und schwer verdaulich: geräuchertes Schweinefleisch mit Sauerkraut, gebackene Kartoffelhälften und Speck, Wurst, Sauerkrautrouladen (Sarma), Polenta und Buttermilch, Käse (škripavac), Lamm vom Spieß, luftgetrockneter Schinken, Forellen aus der Gacka und Zwetschgenschnaps - šljivovica.

Was kann man im Gacka Tal unernehmen?

Quellen der Gacka: rund um die Seen im Quellenbereich wandern, das Infozentrum bei der Quelle Majerovo vrilo besuchen und die Mehlherstellung miterleben, frisch gemahlenes Mehl kaufen, und frisch gefangene Forellen aus dem Fluss Gacka probieren.

der Fluss Gacka: eine Wanderung oder eine Radtour unternehmen (aber ausschließlich auf den bestehenden Pfaden oder Straßen wegen der Minengefahr!), die Natur und die Wasservögel fotografieren, angeln (den Angelschein können sie in Ličko Lešće, Sinac, Čovići, Prozor, Otočac und Švica kaufen).

Otočac: das Museum von Gacka besuchen, in dem man die Japoden-, archäologische, historische und ethnographische Ausstellung besichtigen kann, die Kirche der Hl. Dreifaltigkeit aus dem 17. Jahrhundert besuchen und die alten Burgruinen auf dem Berg Fortica besichtigen, wo zur Zeit archäologische Ausgrabungen stattfinden.

Ličko Lešće: das Zentrum für autochthone Fisch- und Krebsarten der Karstgewässer besuchen. Dort können sie Informationen und eine Fachführung bekommen, vom Zentrum bis zur archäologischen Fundstätte Pećina oder bis zur Quelle des Nebenflusses Kostelka und dem dortigen Aussichtspunkt gehen.

Achtung: Ein Teil dieser Region ist noch immer vermint!

Das Gebiet der Gacka ist in Richtung Sinac – Otočac, im nordöstlichen Teil der Vorstadt von Otočac und im weiteren Gebiet von Drenov Klanac (einst der rechte Flussarm der Gacka) vermint. Leider sind nicht alle verminten Gebiete gekennzeichnet, so dass wir Ihnen raten auch außerhalb der vorgenannten Gebiete ausschließlich auf den Straßen und oft genutzten Wegen zu bleiben. Die Karte der verminten Gebiete können sie im Internet auf der Seite des Kroatischen Zentrums zur Minenräumung abrufen (ww.hcr.hr).

Weitere Informationen finden Sie im Internet:

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