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Senj

Neben Dubrovnik gibt es in Kroatien kaum eine Stadt deren Vergangenheit, Denkmäler und kulturelle Tradition so wichtig für das kroatische Volk wären, wie es die Stadt Senj ist.
Pavao Tijan, "Senj”, Zagreb, 1931.

Senj ist eine der ältesten Siedlungen im nördlichen Teil der kroatischen Adriaküste, bekannt für seine enorm reiche und turbulente Geschichte. Außer dem alleinigen urbanistischen Zentrum, gehören auch eine 76 km lange Meeresküste, einige Fischerdörfer, viele Buchten und jungfräulich saubere Steinstrände der Stadt an.
Das Symbol der Stadt Senj is die Festung Nehaj, die im Jahr 1558 erbaut wurde, von welcher aus die Gemeinschaft der Uskoken die Stadt vor den Anfällen der Türken und Venediger verteidigte. Schon sehr früh wird Senj zum Mittelpunkt der glagolitischen Schrift, im Jahr 1494 wird dort die erste kroatische glagolitische Druckerei gegründet und im gleichen Jahr erscheint das erste Werk Misal po zakonu rimskog dvora.

Heutzutage ist Senj immer mehr auf Tourismus orientiert, bietet seinen Gästen einen angenehmen Aufenthalt, ein kristalklares und sauberes Meer, schöne Strände, eine ausgezeichnete Gastronomie wie auch Vergnügungsinhalte.

Lage und Klima

"In Trieste wurde die Bura geboren, in Riki wurde sie stärker und in Senj hat sie alles von sich"
Volksspruch über den Fallwind „Bura“ in Senj

Die Stadt Senj liegt eingebettet zwischen dem Meer und den beiden Gebirgen: Kapela und Velebit. Das Stadtgebiet umfasst 76 Küstenkilometer. Durch seine Lage an der östlichen Adriaküste ist Senj mit den Städten und Ländern des Mittelmeerraumes verbunden. Straßenverkehrstechnisch verbindet sie die Küstenregion mit dem Hinterland über den Vratnik-Pass (700 m.ü.NN.), mit dem Vinodol-Tal, mit Rijeka und ihrem Hinterland im Westen und mit Zadar, Split und Süddalmatien im Süden. Im Stadtbereich herrscht gleichzeitig mediterranes Klima und Gebirgsklima. Mediterranes Klima mit trockenen warmen Sommern und feuchten milden Wintern, Gebirgsklima mit niedrigen Temperaturen zu Winterzeiten, frischen Sommertagen und öftere Niederschläge (Regen, Schnee).

Senj gilt an der ganzen kroatischen Küste als von „bura“ am stärksten betroffenes Gebiet. In Senj erscheint dieser Fallwind am häufigsten, dauert am längsten und ist seiner durchschnittlichen Geschwindigkeit nach dort der stärkste. Dieses Naturphänomen ist auch den Wissenschaftlern äußerst interessant, so dass es schon lange von ihnen verfolgt wird. Im Jahr 1954 wurde in Senj ein Anemograph aufgestellt, ein Gerät zur ständigen Überwachng von Windgeschwindigkeit und Windrichtung.
Das Wort bura leitet sich vom griechischen boreasa ab. In der griechischen Mythologie hat Borej (Boreas) wie auch alle andere Winde, seine spezifische und erkennbare Eigenschaften erhalten. Er wird als starker bärtiger Mann mit Flügeln dargestellt, der (wahrscheinlich seiner Kraft wegen) als König aller Winde angesehen wurde. Das Wort kam nicht direkt aus Griechenland nach Kroatien, sondern über Italien. Unsere bura ist wahrscheinlich der Nachfolge des venezianischen Wortes bora.

Wegen dem spezifischen Klima und der geographischen Lage der Stadt und des Hinterlandes, passiert es öffters, dass im Küstenbereich die Badesaison anfängt, während 20 km weiter entfernt die Landschaft im Hinterland noch unter einer Schneedecke versteckt ist.

Geschichte

Senj (lat. Senia oder Segnia, griechisch Attienities (Αθυινιτες), deutsch und ungarisch Zengg, tal. Segna) ist die älteste Stadt in der oberen Adria. Bereits vor mehr als 3.000 Jahren wurde auf dem Hügel „Kuk“ östlich oberhalb der heutigen Stadt Senj eine Siedlung gegründet. Unterhalb dieser Siedlung gab es in einer langgezogenen Bucht eine Ankermöglichkeit und von hier aus trieben die Menschen aus dem Landesinneren mit den Bewohnern der Inseln und der Küstenregionen Handel. Mit Laufe der Zeit entstand hier eine neue Siedlung, das zum ersten Mal im 4. Jhd.v. Christus erwähnt wird.
Mitte des 2. Jhd. kamen die Römer in die Stadt und übernahmen nach und nach die Herrschaft. Von nun an wurde sie "Senia" genannt. Senia wurde zum Ausgangspunkt für Kriegszüge der Römer gegen die Japoen und andere rebellische Stämme der Illyrer im Hinterland. Während der Römerherrschaft entwickelte sich Senia zum wichtigsten Zentrum für Handel, Verkehr und Kultur an diesem Küstenabschnitt der Adria. Es wurden eine Wasserleitung, Badeanstalten und das Rathaus gebaut. Darüber hinaus wurden mehrere Tempel errichtet, die den Göttinen Diana, Magna Mater/ Kibeli und Liber geweiht waren, wie auch andere Objekte, worüber zahlreiche archeologische Fundstellen in diesem Gebiet zeugen.

Im Mittelalter errichteten die Kroaten auf diesen Ruinen eine neue Stadt, die in ihrem Namen die Tradition des antiken Senia bewahrt hat, das heutige Senj. Die folgende Zeit des kroatischen Senjs ist geschichtlich nur unzureichend dokumentiert. Erst ab Mitte des 12. Jhd. gibt es wieder schriftliche Quellen über die Stadt Senj. Im Jahr 1169 wurde in Senj ein Bistum gegründet, was wiederum von der Bedeutung der Stadt zeugt. Od godine Ab 1184 gehörte Senj dem Orden der Tempelritter, in deren Besitz die Stadt bis in die 70er Jahre des 13. Jhd. blieb. Nach den Tempelrittern übernahmen die Fürsten Frankopan von der Insel Krk die Herrschaft über die Stadt und verhalfen Senj wieder zu altem Glanz. Zahlreiche Kirchen und Klöster in der Stadt und der Umgebung wurden erbaut. Bekannt wurde die Stadt im Mittelalter durch ihre "glagolitische" Schrift, die wahrscheinlich schon im IX Jhr. V. Christus geschaffen wurde um die Evangelisierung der Slawen zu erleichtern. Seit dem XII Jh. bestand die glagolitische Schrift nur noch in Kroatien, und auf dem Senjer Gebiet war sie besonders hoch entwickelt. Im Jahre 1248 wurde der Bischof von Senj durch eine Entscheidung des Papstes Innozenz IV. zum einzigen Bischof in der katholischen Welt auserkoren, der die glagolitische Schrift und die Sprache des Volkes in der Liturgie verwenden durfte. Dies gab der Entwicklung dieser Schrift während des 14. und 15. Jh. neue Impulse. Davon zeugen zahlreiche glagolitische Inschriften und handgeschriebene Bücher und Dokumente aus jener Zeit. In Senj wurde 1494 als eine der ersten Druckereien Südosteuropas eine glagolitische Druckerei gegründet – zwei Inkunabeln wurden gedruckt: Senjski glagoljski misal und Spovid općena.

Mitte des XV Jh. kam die militärische Besatzung des ungarischen Königs Matthias Korvin in die Stadt. Im Jahre 1469 wurde Senj zum Zentrum einer militärischen Verwaltungseinheit, die jeweils von einem Kapitän befehligt wurde. Dies geschah wegen der immer näher rückenden Gefahr durch das Osmanische Reich, aber auch zum Schutz vor der expansionistischen Politik Venedigs. Die kriegerischen Aktionen der Osmanen auf das besagte Gebiet verstärkten sich in der ersten Hälfte des XVI Jh.. Daraufhin wurde die Gegend um Senj nahezu menschenleer und die Stadt selbst Zufluchtsort für zahlreiche Flüchtlinge aus den bereits besetzten Gebieten. Diese Flüchtlinge bildeten militärische Einheiten, die unter dem Namen „Senjer Uskoken“ bekannt geworden sind. Diese verteidigten die Stadt erfolgreich bis in die 20-er Jahre des XVII Jh. und fügten den Armeen der Osmanen und der Venezianer beträchtliche Verluste zu. Auf dem Hügel Trbušnjak oberhalb der Stadt wurde daher zu Verteidigungszwecken 1558 der Bau der Burg „Nehaj“, die von nun an die Uskoken beherbergte, fertiggestellt. Wegen des heldenhaften Widerstandes gegen den vielfach überlegeneren Feind nahmen diese mutigen Kämpfer Einzug in die Legenden und Volkslieder. Wegen der neu entstandenen politischen Lage gerieten sie in Ungnade. Für die neue friedlichere Politik der Habsburger Monarchie gegenüber dem Osmanischen Reich und Venedig waren die Uskoken hinderlich. So wurden sie zwangsweise in andere kroatische Gebiete umgesiedelt.

Die friedlicheren Zeiten ermöglichten die Wiederbelebung des Senjer Handels, wodurch die Stadt wirtschaftlich profitierte und wieder aufblühte. Ganz besonders kam dies in der zweiten Hälfte des XVIII Jh. und der ersten Hälfte des XIX Jh. zur Geltung. Dann wurden nämlich große bauliche Veränderungen unternommen. So wurde beispielsweise die neue Josephinenstraße gebaut, der Hafen renoviert, neue kaiserliche Warensilos gebaut, der Bach begradigt u.ä.. Damals begann wieder ein goldenes Zeitalter für die Stadt, die zu einem der bedeutendsten wirtschaftlichen und kulturellen Zentren des damaligen Kroatiens wurde. Der Hafen von Senj war von größter Bedeutung für den Staat. Über diesen Hafen lief die Einfuhr von Salz und die Ausfuhr von Getreide und Holz. Die Senjer Seefahrer umsegelten die ganze Welt mit ihren Schiffen und betrieben besonders regen Handel mit den Mittelmeerländern. In die florierende Stadt zogen Unternehmer und Arbeitskräfte. Handelsgesellschaften und Schiffbaugesellschaften wurden gegründet, ebenso die Handels- und Handwerkskammer. Die Kultur in der Stadt gedieh: so wurden die Stadtkapelle, die Stadtbibliothek und andere kulturelle Einrichtungen gegründet. Senj wurde zu einem wichtigen kulturellen Zentrum, und seine Intellektuellen wurden zu einem bedeutenden Träger der kroatischen nationalen Ideologie. Aus Senj stammen die berühmtesten kroatischen Schriftsteller und Dichter jener Zeit: Silvije Strahimir Kranjcevic (1865-1908), Vjenceslav Novak (1859-1905), Milutin Cihlar Nehajev (1880-1931), Milan Ogrizovic (1877-1923)

Der Ausbau der Eisenbahnstrecke Karlovac-Rijeka (1873), der Senj umging, hatte einen vernichtenden Einfluss auf die Wirtschaft und den Handel in der Stadt. Der Verkehr im Hafen ging arg zurück, und die Waren wurden nach Trieste und Rijeka umgeleitet, die durch die Eisenbahn mit dem Hinterland verbunden waren. Die Rolle der Stadt Senj beschränkte sich nunmehr auf die Ausfuhr von Holz aus der Umgebung. Der Wegfall des wirtschaftlichen Aufschwungs und der verkehrstechnischen Bedeutung wirkten sich negativ auf alle Facetten des Lebens in der Stadt und ihrer Umgebung aus. So kam es schon Ende des XIX Jh. zur Auslagerung von Kapital und Bevölkerung. Dies intensivierte sich im XX Jh., insbesondere nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als sich zu den wirtschaftlichen auch noch politische Gründe für das Verlassen der Stadt gesellten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das alte Stadtzentrum durch Bombenangriffe beträchtlich zerstört. Dabei verschwand ein großer Teil des außerordentlich wertvollen kulturellen Erbes unwiederbringlich. Dennoch blieben zahlreiche Denkmäler erhalten, die Senj nach wie vor zum Anziehungspunkt für einheimische und ausländische Besucher macht.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Stadt wieder stufenweise erneuert, entwickelt sich mehr in Richtung Tourismus und Gastronomie. Senj ist heute ein urbanes Zentrum in welchem viele kulturelle Manifestationen stattfinden, wie z.B. Winter und Sommerkarneval in Senj, Auftritte nordadriatischer, Tage der Uskoken von Senj und Konzertnächte.

Was Sie sich Ansehen sollten?

Das Stadtmuseum Senj befindet sich im ehemaligen Palast der Familie Vukasović, einer der angesehensten und einfluβreichsten Senjer Familien. Das Palast wurde im XIV./XV. Jh. im Űbergangsstil von der Gotik zur Renaissance erbaut und ist das schönste profane Bauwerk von Senj. Das Museum umfaβt folgende Sammlungen: Archölogische und Hydroarchaölogische Sammlung, Numismatische Sammlung, Sammlung der glagolitischen Schrift und Druckkunst, Waffen- und Soldatenkleidungssammlung, Sammlung der neueren Senjer Geschichte, Ethnograpchische Sammlung der Bunjevci und naturwissenschaftliche Sammlung des Velebit Gebirges. Im Verband des Städtischen Museum befindet sich auch die Fachbibliothek (Seniensia) mit älterem und neueren Archivmaterial, Fotodokumentation und eine kleine Bildersammlung, Sammlung Lukovo aus dem gleichnamigen südlichen Teil von Senj.

Die Festung Nehaj - erbaut im Jahr 1558 unter Aufsicht des Senjer Hauptmannes Ivan Lenković. Aus Materialien abgerissener, außerhalb Senj gelegener Kirchen, Kloster und Häuser. In der Festung ist die Sammlung über die Senjer Uskoken, über das Seegebiet des Senjer Kapitäns, die Kirche in Senj durch die Jahrhunderte und die Wappen des städtischen Adels ausgestellt.

Sakralerbe Senj - die Sammlung umfaßt ausgesuchte Exemplare aus der Schatzkammer der Senjer Kathedrale, die Bistumsbibliothek und die Bibliothek der Kathedrale. Präsentiert werden Überreste der restlichen Senjer Kirchen, die Schlüssel der Stadt Klis, Salonmöbel aus Zeiten des Bischofs im Empire-Stile, Portraits und liturgisches Geschirr.

Der alte Stadtkern umzingelt von Überresten der Mauerwerke und Festungen. Der alte Stadtkern ist von zahlreichen engen Passagen und Plätzen gezeichnet, eine der bekanntesten Passagen ist die Uskoker – Passage (Uskočka ulica) – ein wunderschönes Exemplar der mittelalterlichen Architektur.

Die Kathedrale Sv. Marija und andere Kirchen auf dem Stadtgebiet (Überreste der Kirche Sv. Franjo, Kirche Sv. Marija od Arta, Kapelle Sv. Martina).

Die große Tür – am Stadteingang ist das Ende der Josephinenstraße mit der großen Tür gekennzeichnet, die Josephinenstraße wurde zu Maria Theresias Zeit (und ihres Sohnes Joseph II) gebaut. In der Tür sind die Entfernungen zwischen Senj und anderen Städten in deutschen Meilen eingeschnitzt, verziert wurde sie weiterhin auch mit der Habsburgerkrone.

Park der Schriftsteller von Senj – In dieser Stadt wurden die bekanntesten kroatischen Schriftsteller und Dichter geboren (und lebten auch dort): Silvije Strahimir Kranjčević, Vjenceslav Novak, Milutin Cihlar Nehajev, Milan Ogrizović, Pavao Ritter Vitezović, so dass ihnen die Stadt Senj einen Park widmete, der sich überhalb des alten Stadtstrandes befand.Im Park wurden ihre Büsten aufgestellt.

Kleinere Fischerorte unter dem Velebit-Gebirge - unter dem Velebit-Gebirge, neben dem Meer versteckt, befinden sich Orte, die für einen ruhigen und erholsamen Urlaub geschaffen sind Sveti Juraj, Lukovo, Klada, Starigrad, Stinica, Jablanac, Zavratnica und Prizna.

Das Hinterland von Senj – falls sie einen aktiven Urlaub in der unberührten Natur verbringen wollen, schlagen wir ihnen vor die Dörfer im Hinterland von Senj zu besuchen - Krasno, Krivi putu und Vratniku.

YoWeitere Informationen finden Sie unter:

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